"Unternehmen sollten auf Factoring vorbereitet sein" - Interview mit Gerd Georg, CEO der Close Brothers Factoring GmbH

Das Finanzierungsklima für Unternehmen habe sich in den letzten Monaten insgesamt verbessert, lauten die Überschriften verschiedener Studien über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass mittelständische Unternehmen bei der Beschaffung von Kreditmitteln erhebliche Probleme haben. „Diese Situation könnte sich in den nächsten Monaten sogar noch verschärfen“, so Gerd Georg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Close Brothers Factoring GmbH, Mainz, in einem Interview zur Finanzierungssituation im Mittelstand und zur Möglichkeit der Liquiditätssicherung mittels Factoring.

Worauf begründen Sie Ihre Einschätzung?

Wirtschaftsmeldungen sind Momentaufnahmen und auf statistische Durchschnittswerte verkürzt. Die Schlagzeile ‚Der Mittelstand will keine Kredite mehr‘ hatte zum Beispiel nur eine kurze Halbwertszeit. Tatsache ist, dass kleinere Unternehmen mit weniger als einer Mio. Euro Jahresumsatz doppelt so häufig über Erschwernisse bei der Kreditaufnahme klagen wie große mit über 50 Mio. Euro Jahresumsatz. Die Ergebnisse der aktuellen Unternehmerbefragung der KfW Bankengruppe sind insofern alarmierend. Sie stellt ohne Umschweife fest, dass kleine und junge Unternehmen ‚deutlich ausgeprägte strukturelle Probleme beim Kreditzugang‘ haben. Hinzu kommt, dass die Konjunktur äußerst fragil ist. Eine Verschlechterung wirkt sich unmittelbar auf das Zahlungsverhalten von Kunden beziehungsweise Auftraggebern aus; der Finanzierungsbedarf kann schnell das von der Bank gesetzte Limit übersteigen.

Worin sehen Sie die Ursachen für die Zurückhaltung der Banken gegenüber ihren mittelständischen Kunden?

Infolge der Krise besteht bei den Kreditinstituten eine hohe Risikosensitivität. Kleineren Unternehmen wird zum Beispiel tendenziell weniger zugetraut, mit kritischen Situationen fertig zu werden. In der Tat ist es so, dass im Mittelstand zum Teil erhebliche Defizite in Geschäftsprozessen bestehen, die den zentralen Bereich des Working-Capitals betreffen. Ein Schwachpunkt ist unter anderem das Forderungsmanagement. Kleine Firmen warten unter anderem deshalb deutlich länger auf ihr Geld als große, weil sie sich keiner oder nur unzureichender professioneller Instrumente bedienen. Speziell junge Unternehmen stehen vor dem Problem, keine belastbaren Daten, etwa aussagekräftige Kredithistorien, vorweisen zu können. Die gefährlichste Klippe ist natürlich die Eigenkapitalsituation. Im statistischen Mittel hat sie sich in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert. Laut Creditreform-Statistik vom Frühjahr 2013 ist die Eigenkapitalquote bei immerhin 28,3 % der mittelständischen Unternehmen niedriger als 10 %.

Gerade einmal 2 % der deutschen Unternehmen nutzen das Factoring. Was ist der Grund für diese Zurückhaltung?

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das Factoring in Deutschland immer noch zu wenig bekannt. Zudem hat der Mittelstand nie ernsthaft nach Alternativen zu seiner Philosophie der Unternehmensfinanzierung gesucht. Diese besteht traditionell im Vertrauen auf die Zahlungsmoral der Kunden und in der Erwartung einer wohlwollenden Begleitung durch die Hausbank. Doch haben sich die Zeiten geändert. Manches Unternehmen stellt geradezu überrascht fest, dass das Prinzip Hoffnung nicht mehr funktioniert und plötzlich sozusagen Feuer unterm Dach ist. Nach einer Veröffentlichung der Europäischen Kommission soll jede zweite Unternehmensinsolvenz in Deutschland darauf zurückzuführen sein, dass Lieferanten zwar ihr Geld erhalten, darauf aber so lange warten müssen, bis sie selbst in Liquiditätsschwierigkeiten stecken. So weit darf es natürlich gar nicht erst kommen. Ein gut geführtes Unternehmen ist grundsätzlich über alle Möglichkeiten beziehungsweise Alternativen der Liquiditätssteuerung im Bilde und mit möglichen Partnern, also auch mit Factoring-Anbietern, im Gespräch.

Welche Vorteile bietet das Factoring zur Verbesserung der Finanzierungssituation?

Wenn ein Unternehmen beispielsweise im Monat Waren für 300 Tsd. Euro mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen verkauft, so beträgt der daraus resultierende Zinsaufwand bei einem Zinssatz von 10 % 30 Tsd. Euro pro Jahr. Wenn ein Factor 80 % der Rechnungssummen sofort ausbezahlt, werden rund 24 Tsd. Euro eingespart. Die freie Liquidität kann für andere Zwecke verwendet werden, etwa um Lieferantenrechnungen schneller zu begleichen und Skonti zu ziehen. Weil die Forderungen aus der Bilanz fallen, erhöht sich zudem die Eigenkapitalquote. Dies wiederum ist ein wichtiger Vorteil für das Rating durch die Bank. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen machen die Außenstände nicht selten 30 % der Bilanzsumme aus.

Wie reagiert die Hausbank, wenn ein Unternehmen zu dem Instrument des Factorings greift?

Durchweg positiv. Wir sorgen für einen schnellen Liquiditätszufluss nach Leistungserbringung und Rechnungsstellung. Gleichzeitig sichern wir unsere Kunden gegen Zahlungsausfälle ab, denn wir übernehmen das Risiko für die uns übertragenen Forderungen. Zudem unterstützen wir unsere Kunden durch ein professionelles Debitorenmanagement. All diese Punkte werden von der Hausbank sehr geschätzt. Unternehmen, die Factoring nutzen, werden beim Rating besser beurteilt und haben dadurch einen besseren Zugang zu Krediten.

Die 2003 gegründete Close Brothers Factoring GmbH mit Sitz in Mainz bietet bundesweit Produkte zur Forderungsfinanzierung speziell für mittelständische Unternehmen an. Sie ist Mitglied im Deutschen Factoring Verband. Die Muttergesellschaft Close Brothers Group plc ist die größte unabhängige Handelsbank Großbritanniens.

 

Kontakt:
Boris Cech, Telefon: 06131 6005-890

 

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